21. Juli 2025, Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende

von | Juli 23, 2025

Hallo liebe Leute,

am 21. Juli fand – in Begleitung von dunkelgrauem Regenwetter – der jährliche internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende (DTGT) statt. Der wolkenverhangene Himmel entsprach dem Stimmungsbild dieses traurigen Anlasses.

Gegen Mittag trafen sich Initiativen und Verbände, darunter JES, Vista, My Brain My Choice, BerLUN und der Klientenbeirat des Notdienstes, auf dem Oranienplatz und begannen mit den Vorbereitungen. Alle Beteiligten legten sich mächtig ins Zeug, um den Tag, trotz widriger Umstände so angenehm wie möglich zu gestalten. In der Mitte des Platzes wurde ein Solidaritätskiosk eingerichtet, auf dem die Namen der verstorbenen Drogengebrauchenden sichtbar gemacht wurden. In jeder Ecke zierten bunte Schmetterlinge den Platz – als Symbol für Entwicklung, Neubeginn und Freiheit sind sie sind das Logo des DTGT. Sie fanden sich auch auf einem Fotorahmen wieder, mit dem man sich als Besucher der Gedenkveranstaltung mit seiner Begleitung fotografieren lassen konnte. Dazu flatterten sie über Buttons, die wir verteilten. Die Bastelarbeiten gingen zum Großteil auf die tageswerkstatt sowie den Beirat des Notdienstes zurück. Alle Besucher und Unterstützer wurden außerdem mit Schnittchen und selbstgebackenem Kuchen versorgt. Es entstand eine vertraute, fast schon familiäre Atmosphäre.

Die Kundgebung wurde durch den Drogenbeauftragen der Bundesregierung, Hendrick Streeck, eröffnet. Dies verlieh unserem Anliegen die politische Aufmerksamkeit, die es auch dringend braucht. Mich persönlich – und ich denke, da spreche ich auch vielen anderen aus dem Herzen – berührten die persönlichen Geschichten am meisten. So berichtete ein Ex-User von seinem Werdegang und davon, wie er nun seine Erfahrungen in seine neue Tätigkeit als Sozialarbeiter einfließen lässt. Ich finde, in der Suchthilfe braucht es genau solche Personen. Auch Matze und ich durften gemeinsam mit Rebekka Streck, Suchtforscherin an der Evangelischen Hochschule Berlin, eine Rede halten. Wir unterhielten uns darüber, wie es sich anfühlt, enge Freunde und Bekannte an Drogen zu verlieren, wie wir mit Trauer umgehen und was es braucht, um die erschreckende Zahl von 2.137 Drogentoten zu reduzieren. Es war mein erstes Mal, auf einer Bühne „im Rampenlicht“ zu stehen. Doch ich fühle mich sicher und wohl, denn das Thema muss einfach mehr Gehör finden.

Im Namen des Beirates möchte ich mich bei allen beteiligten Personen bedanken. Sei es das Orgateam, die Redner und Unterstützer oder die Besucher der Kundgebung – ihr alle wart zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um unseren verstorbenen Mitmenschen zu gedenken und ein Zeichen dafür zu setzen, den Blick zu heben und die Probleme anderer Menschen wahrzunehmen. Ich bin dankbar, dass wir Teil der Veranstaltung waren, und werde mich im kommenden Jahr in jedem Fall wieder tatkräftig im Sinne der Drogentoten engagieren.

Eure Corinna